Überblick Peru

Peru

Peru gilt als Vorzeigeland der Weltbank, da es in den letzten zehn Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 6,4% aufwies und damit das zweitbeste Ergebnisse aller LATAM-Länder und der Karibik erreichte. Diese positive Entwicklung ist auf den wirtschaftsliberalen Kurs des Landes zurückzuführen, wie sich z.B. am Freihandelsabkommen zwischen Peru, Kolumbien und der EU zeigt. Allerdings bedroht das hohe Niveau der Schattenwirtschaft und Korruption die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes. Auf dem Korruptions-Perzeptions-Index von Transparency International rutschte Peru innerhalb seit 2015 von Platz 88 auf Platz 100 von 180 Ländern ab. Inwiefern die erst letztes Jahr verabschiedeten Antikorruptions-Gesetze die Situation verbessern können, bleibt abzuwarten.

 

e-Invoicing

In Peru wird seit 2016 das elektronische Rechnungsstellungsverfahren Pago Electronicos (CPE) genutzt, welches durch die Steuerbehörde SUNAT (Superintendencia Nacional de Administración Tributaria) überwacht wird. Die Einführung des CPE erfolgte seit 2014 in vier Wellen und konzentriert sich inzwischen verstärkt auf mittelständische und große Unternehmen, die sogenannten Principals Contribuyentes (PRICO).

Das neue e-Invoicing-System enthält folgende Erfordernisse:

  • Elektronische Dokumente: Elektronische Rechnungen, Boleta de Venta Electrónica, Gutschriften, Lastschriften,  Credit Note, Comunicación de Baja
  • Versand:  Rechnungen an einen Kunden müssen durch die SUNAT in Form einer CDR (constancia de recepcion) genehmigt werden
  • Zertifizierungsprozess (Proceso de Homologacion): Die Testphase des neuen Systems muss innerhalb von 25 Tagen abgeschlossen sein.
  • Archivierung: vier Jahre
  • Stornierung:  Stornierungen müssen innerhalb von 72 Stunden nach Erhalt der CDR vorgenommen werden.
  • Guia de Remision or Guia de Transportista: Die von der Regierung zertifizierten Dokumente müssen der Sendung beiliegen.

Prozess

Autorisierung und Zertifizierung
Ein Unternehmen muss sich als elektronischer Rechnungssteller von der SUNAT autorisieren und zertifizieren lassen. Das Zertifikat befindet sich danach in der digitalen Signatur, die in der Rechnung enthalten ist.

Rechnung
Die elektronische Rechnung muss im XML-Format erstellt und der SUNAT innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zugestellt sowie hinterher archiviert werden. Zusätzlich muss die Rechnung dem Kunden auf einer Website ein Jahr lang zum Download bereitgestellt werden.

Vor dem Go-live mit dem neuen e-Invoicing-System muss ein Unternehmen eine Bereitschaftserklärung abgeben, die wiederum nach Überprüfung durch die SUNAT mit der Resolucion de Intendencia (R.I.) zertifiziert wird.

Ähnlich wie in Mexiko erfolgt die Abwicklung der Rechnungsstellung über Software-Drittanbieter, die die Rechnungen bei der Steuerbehörde einreichen und validieren lassen.

Innerhalb dieses Jahres werden folgende weitere Akteure zum e-Invoicing verpflichtet:

  • 1. Januar 2018: alle Steuerzahler, die die Umsatzsteuer einbehalten oder einnehmen oder als PRICO identifiziert wurden sowie Steuerzahler, deren Steuer-ID im Anhang I der Resolution 155-2017 enthalten ist
  • 1. Mai 2018: Steuerzahler, deren Steuer-ID im Anhang II der Resolution 155-2017 enthalten ist
  • 1. August 2018: Steuerzahler, deren Steuer-ID im Anhang III der Resolution 155-2017 enthalten ist
  • 1. November 2018: Steuerzahler, deren Steuer-ID im Anhang IV der Resolution 155-2017 enthalten ist

Die Sanktionen bei Nicht-Implementierung reichen von Strafzahlungen (50% des Fiskaleinheit, 1 Fiskaleinheit = ca. 600 USD) bei Ersttäterschaft bis hin zur Betriebsabschaltung bei Folgeverstößen.

 

Compliance

Im Legislativen Dekret N. 1352 wurden 2017 die Grundlagen für die Korruptions-, Geldwäsche- und Terrorbekämpfung in Peru gelegt, die Unternehmen auch für ihre Tochterunternehmen und einzelne Mitarbeiter haftbar machen. Während es keine zwingende Verpflichtung zur Einführung eines Compliance-Systems (CS) gibt, ist dies dennoch empfehlenswert, da es zu Haftungsausschluss bzw. milderen Strafen  führen kann. Während große Unternehmen alle CS-Kriterien erfüllen müssen, reicht es bei Mikro-, kleinen und mittelständischen Unternehmen einzelne Aspekte des folgenden CS-Modells zu implementieren. Ausschlaggebend ist die Effektivität der implementierten Maßnahmen.

Das Compliance-System muss folgende Elemente enthalten:

  • Einführung eines Compliance Officers
  • Maßnahmen zur Identifikation, Evaluation und Minderung von Rechtsverstößen
  • Implementierung interner Beschwerdeprozesse
  • Periodisches Training des Präventionsprozesses
  • Regelmäßige Evaluierung und Monitoring des CS

Im Falle einer Anklage kann der Staatsanwalt die Überprüfung des CS durch die Oberaufsicht des Kapitalmarktes (SMV) erbeten. Stuft die SMV das CS als adäquat ein, so werden die Ermittlungen abgeschlossen bzw. eingestellt. Unternehmen, die sich dieser Verstöße strafbar gemacht haben ohne ein entsprechendes CS implementiert zu haben, riskieren hingegen Strafzahlungen bis zu 600% des erreichten Vorteiles, Stornierungen von Lizenzen, Konzessionen und andere Rechten (insbesondere mit Hinsicht auf öffentliche Aufträge) oder sogar der Schließung ihres Unternehmens.

 

 

Kriterium Peru
Ranking TI  Korruptions-Perzeptions-Index 2017 (von 180) 100
Gesetzliche

Grundlage

LD 1352 (2017)
CS-Pflicht? Nein
Standards ·         Präventives CS

·         Einführung eines Compliance Officers

·         Maßnahmen zur Identifikation, Evaluation und Minderung von Rechtsverstößen

·         Implementierung interner Beschwerdeprozesse

·         Periodisches Training des Präventionsprozesses

·         Regelmäßige Evaluierung und Monitoring des CS

Sonderbehandlung bei CS-Implementierung? Ja

Befreiung von Haftung,

reduzierte Strafen

Strafen ·         Strafzahlungen von 200% bis zu 600%  des erreichten Vorteils

·         Disqualifikation in Form von zeitlichen Suspendierungen (2-5 Jahre) unternehmerischen Handels bzw. abschließendes Verbot von Verträgen mit staatlichen Institutionen

·         Stornierung von Lizenzen, Konzessionen, Rechten oder administrativen Autorisierungen

·         Auflösung des Unternehmens

 

 

 

Steuerrecht und Steuerarten

76% der Einkünfte der peruanischen Regierung werden aus Steuer generiert, wobei die wichtigsten vier Steuerarten (Einkommen-, Umsatz-, Import- und Verbrauchssteuer) auf nationaler Ebene erhoben werden. Zwar gibt es Gemeindesteuern, diese sind für natürliche Personen aber relevanter als für Unternehmen.

Steuervorteile werden vorwiegend für Investitionen in die Sektoren Bergbau, Öl und Gas, Landwirtschaft und Kapitalmarkt gewährt.

 

 

Steuerart Erhebung Höhe
Körperschaftssteuer*

(Impuesto sobre la Renta, ISR)

Weltweite Profite durch Handel oder Dienstleistungen, bei ausländischen Unternehmen nur Einkommen aus Peru 29,5%

 

Umsatzsteuer

(Impuesto al Valor Agregado, IVA)

Waren und Dienstleistungen 18% (16% IVA + 2% IPM)
Importsteuern/Zölle Eingeführte Güter 0%, 6%, 11% des CIF-Wertes
Verbrauchssteuer

(Impuesto Selectivo al Consumo, ISC)

Treibstoff, Zigaretten, Bier, Branntwein, Fahrzeuge variabel
Quellensteuer Zahlungen für techn.  Und nicht-technische Dienstleistungen 15%

30%

Kapitalertragssteuer

(Impuesto sobre la renta del capital)

Kapitalerträge 5%

4,99-30% für Zinsen aus ausländischen Krediten

Zwischen Deutschland und Peru ist seit 1997 einen gegenseitiger Investitionsschutz- und -fördervertrag in Kraft, ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt es hingegen nicht.

Eine Erläuterung aller wesentlichen Steuer- und Fachbegriffe finden Sie hier.

 

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