Überblick Mexiko

Mexiko

Mexiko ist neben Chile das lateinamerikanische Land mit den meisten Freihandelsabkommen: es bestehen insgesamt 13 Abkommen mit 52 Staaten, darunter das North American Free Trade Agreement (NAFTA) mit den USA und Canada sowie eines mit der EU, welches seit 2000 in Kraft ist. Mexiko ist das wichtigste Empfängerland für deutsche Exporte nach Lateinamerika. Darüber hinaus sind aktuell circa 1900 Unternehmen mit deutschem Kapital von knapp 35 Milliarden USD beim mexikanischen Wirtschaftsministerium registriert. Die Unternehmen stammen vorwiegend aus den Branchen Automotive, Pharma, Chemie und Elektronik, wobei auch viele kleine und mittelständische Unternehmen in dem Bereich der High-Tech-Lösungen aktiv sind.

 

e-Invoicing

Seit 2014 müssen Unternehmen in Mexiko die elektronische Rechnungsstellung CFDI (Comprobante Fiscal Digital a través de Internet) nutzen. Das Rechnungsverfahren an sich wird nicht von staatlicher Seite aus durchgeführt, sondern von zertifiziertes Drittfirmen, den PACs (Proveedor Autorizo da Certificación). Seit Ende 2017 müssen zusätzlich im Rahmen des Complementos-de-Pagos Dokumentes alle Zahlungseingänge an die Finanzbehörde SAT (Servicio de Administración Tributaria) gemeldet sowie Geschäftsbücher elektronisch hinterlegt werden. Rechnungen müssen inzwischen bis zu 10 Jahre gespeichert werden.

 

Prozess

Rechenschaftspflicht und Digitale Zertifikate
Die Rechnung muss in einem System registriert werden, welches die exakte Zeit der Ausfertigung vermerkt. Versender der Rechnung benötigen ein von der mexikanischen Steuerbehörde genehmigtes digitaler Zertifikat, um damit die CFDI 3.3 zu generieren.

Zertifizierung der CFD
Ein von der mexikanischen Regierung anerkannter e-Invoicing Provider (PACs) verifiziert die Rechtmäßigkeit der Rechnung und fügt ihr eine Zertifizierungsnummer bei. Innerhalb von 72 Stunden leitet er die Rechnung an die mexikanische Regierung weiter.

Die Idee hinter dem zeitgenauen Rechnungs- und  Zahlungs-Tracking ist die Abführung der Umsatzsteuer, welche innerhalb einer bestimmten Frist erfolgen muss und nicht – wie z.B. in Brasilien – erst nach der physischen Auslieferung der Ware erfolgt. Vor der Einführung dieser Regelung konnte die mexikanischer Steuerbehörde SAT (Servicio de Administración Tributaria) keine Teilzahlungen tracken bzw. nicht unterscheiden., ob es sich um eine Rechnung oder tatsächliche Zahlung handelte. Dies führte dazu, dass Unternehmen ihre Rechnungen ohne Umsatzsteuer zahlten bzw. dass Rechnungen nach ihrer Zahlung gecancelt wurden, damit der Kunde die Zahlung der Umsatzsteuer vermeiden konnte.

Verpflichtend ist die Erstellung der Pagos-Dokumente für folgende Konstellationen:

  • Zahlungen, die mit einer Regierungs-Umsatzsteuer assoziiert sind
  • Anzahlungen (Anticipos), unabhängig davon, ob die Ware bereits geliefert wurde
  • Teilzahlungen
  • Zahlungen ohne Geldaustausch

Um weitere Steuerhinterziehungsmethoden zu unterbinden, hat die SAT darüber hinaus ein elektronisches Auditing-system in Echtzeit eingeführt. Dadurch hat die SAT einen genauen Überblick über die Verkäufe, Preise und tatsächlichen Gewinne eines Unternehmens. Selbst re-Audits für bereits geprüfte Sachverhalte sind durch die SAT möglich.

 

Compliance

Die strengen Steuerrichtlinien in Mexiko sind die politische Reaktion auf den hohen Grad der Korruption und der Steuerhinterziehung im Land. Mexiko belegt unter den LATAM-Ländern mit Platz 139 von 180 einen der letzten Plätze in Transparency Internationals Korruptions-Perzeptions-Index von 2017.  Die Tatsache, dass circa 60% der mexikanischen Arbeiter keine Steuern abführen, resultiert laut Arbeitsminister Alfonso Navarrete jährlich in einem Verlust von 3-4% des BIP. Um die Programme unter der Regierung Nieto zu finanzieren, wurden die Steuergesetze und Compliance-Regeln entsprechend reformiert.

Grundsteinlegend für die Reformen sind das Allgemeine Gesetz zur Administrativen Rechenschaftspflicht sowie das Nationale Anti-Korruptions-System (Sistema Nacional Anticorrupción) von 2017, welche die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden hinsichtlich der Korruptionsbekämpfung koordinieren sollen. Dementsprechend wurden Unternehmen zur Einführung vom Compliance-Systemen verpflichtet. Entsprechen diese nicht den Vorgaben des Gesetzes, muss mit hohen Geldstrafen für das Unternehmen und dessen Funktionsträger gerechnet werden. Vor der Einführung der Gesetzes konnten lediglich öffentliche Amtsträger haftbar gemacht werden.

Die Vorgaben des Gesetzes beziehen sich sowohl auf Unternehmen mit Sitz innerhalb als auch außerhalb Mexikos sowie deren Tochterfirmen und Angestellten, sofern diese Kontakt mit öffentlichen Amtsträgern in Mexiko haben. Das Unternehmen kann für das Verhalten einzelner Mitarbeiter haftbar gemacht werden.

Entsprechend verschärft wurden auch die Sanktionen: die Strafe kann bis zu 200% des erlangten Vorteils oder 6 Millionen UDS betragen, sofern kein finanzieller Vorteil erlangt wurde. Darüber hinaus kann das Unternehmen ganz oder teilweise, zeitweise oder dauerhaft an seinem Handeln gehindert oder bei besonders starken Verstößen sogar aufgelöst werden. Durch eine Selbstanzeige oder durch die Implementierung eines effektiven Compliance-Systems kann die Haftung allerdings signifikant reduziert werden.

 

Kriterium Mexiko
Ranking TI  Korruptions-Perzeptions-Index 2017 (von 180) 139
Gesetzliche

Grundlage

General Law in Administrative Accountability (2017),

National Anti-Corruption System (2016)

CS-Pflicht? ja
Standards ·         Einführung eines Compliance Officers

·         CS-Handbuch

·         Code of Conduct

·         Monitoring

·         Whistleblower-Mechanismen

·         Integritäts-training

·         Prävention gegen Einstellung von Risikoträgern

Sonderbehandlung bei CS-Implementierung? Ja,

auch bei Selbstanzeige

Strafen ·         Strafzahlungen bis zu 600%  des erreichten Vorteils

·         zeitliche Disqualifikation von bis zu 10 Jahren für staatliche Verträge

·         Stornierung von Lizenzen, Konzessionen, Rechten oder administrativen Autorisierungen

·         Auflösung des Unternehmens

·         Gefängnisstrafen

 

 

 

Steuerrecht und Steuerarten

Genauso wie in Brasilien können auch in Mexiko Bund, Länder und Gemeinden Steuern erheben. Gemäß dem Einkommensteuergesetz (Ley de Impuesto sobre la Renta – LISR) werden sowohl ansässige juristische als auch natürliche Personen nach dem Welteinkommensprinzip besteuert, nicht-ansässige nur mit ihrem aus mexikanischen Quellen stammenden Einkünften.

 

Steuerart Erhebung Höhe
Körperschaftssteuer*

(Impuesto sobre la Renta, ISR)

Profite durch Handel oder Dienstleistungen 30%

 

Quellensteuer Kapitalerträge ausländischer Firmen 10%
Kapitalertragssteuer

(Impuesto sobre la renta del capital)

Kapitalerträge 25-35%
Umsatzsteuer

(Impuesto al Valor Agregado, IVA)

Waren und Dienstleistungen 16%
Grunderwerbsteuer (Impuesto sobre adquisición de inmuebles y transmisión de dominio) Im Grundbuch registriertes Eigentum 1-5%
Lohnsummensteuer (Impuesto sobre nóminas) das an die beschäftigten Arbeitnehmer gezahlte Gehalt 1-3%
Grundsteuer

(Impuesto predial)

Mitarbeiter-Gewinnbeteiligungssteuer Einkommen 10%
Aufenthaltssteuer Ansiedlung 5%
Übertragungssteuer Übertragung von Immobilien 2-4% des Wertes
Steuern auf Ölförderung und -produktion Ölförderung und -produktion unklar

*Gruppenbesteuerung (regimen opcional para grupos de sociedades) miteinander verbundener Unternehmen ist möglich, wenn das Mutterunternehmen 80% der Tochterfirma besitzt

 

Seit Oktober 2010 ist ein Doppelbesteuerungseinkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Mexikanischen Staaten in Kraft.

Eine Erläuterung aller wesentlichen Steuer- und Fachbegriffe finden Sie hier.

 

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