Überblick Kolumbien

Kolumbien

Kolumbiens Wirtschaft erholte sich 2018 von der Erdölpreis-bedingten Schwächephase der letzten Jahre. Die Aufnahme des Landes in die OECD und NATO im Mai sowie der Friedensschluss mit den FARC-Guerilla senden ebenfalls positive Signale an ausländische Investoren. Fraglich ist hingegen, wie sich das Land insbesondere hinsichtlich der im Juni entschiedenen Präsidentschaftswahl zugunsten von Iván Duque weiterentwickelt. Angesichts dessen wirtschaftsliberalen Kurs ist zukünftig mit Steuererleichterungen zu rechnen, die ausländische Investitionen ankurbeln sollen. Angesichts der guten Wirtschaftslage mit einer stetig sinkenden Inflationsrate ist mit verstärktem Konsum seitens der Bevölkerung zu rechnen, wovon auch deutsche Unternehmen profitieren sollten. Mit Platz 96 von 180 Ländern auf Transparency International Korruptions-Perzeptions-Index von 2017 hat Kolumbien allerdings noch Aufholbedarf, was die Korruptionsbekämpfung anbelangt. Diesem soll mit einer Reihe neuer Compliance Regelungen Rechnung getragen werden.

 

e-Invoicing

Ab 1. Januar 2019 müssen alle Unternehmen, die die Umsatzsteuer (VAT) oder Verbrauchsgütersteuer (Impoconsumo) abführen wollen, dafür das elektronische Rechnungssystem nutzen. Diese Veränderung betrifft ca. 800.000 Unternehmen und wird von der nationalen Steuerbehörde DIAN (Dirección de Impuestos y Aduanas Nacionales)  überwacht. Ziel der Reform sind die Bekämpfung von Steuerhinterziehung, erhöhte Steuer-Compliance sowie Einsparungen für den privaten und öffentlichen Sektor.

Allein im Umstellungsjahr 2018 werden bereits 50.000 Unternehmen zur Nutzung des neuen elektronischen Rechnungssystems aufgefordert, im Laufe des Jahres wird die DIAN weitere Listen von Unternehmen veröffentlichen, die sie als besonders risikobehaftet betrachtet. Dies betrifft demnach vorwiegend große produzierende Unternehmen sowie solche, die im Finanz- oder Steuersektor tätig sind. Nach Aufforderung der DIAN hat ein Unternehmen für die Implementierung nur drei Monate Zeit. Da bei einer freiwilligen Umstellung auf das e-Invoicing drei weitere Monate für Tests gewährt werden, kann diese Option für eine fehlerfreie Implementierung vorteilhaft sein.

Darüber hinaus sind folgende Aspekte über das neue e-Invoicing bekannt:

  • Rechnungen sollen in Echtzeit genehmigt oder abgelehnt werden
  • Die Druckversion der Rechnung muss einen zweidimensionalen Barcode enthalten
  • Dokumente müssen fünf Jahre archiviert werden

 

Das DIAN stellt zwei e-Invoicing Optionen zur „Wahl“

Mikro- bzw. kleine Unternehmen können einen kostenlosen IT-Service nutzen, der die Erstellung und den Download von Rechnungen manuell ermöglicht. Mittelständische und große Unternehmen können einen vom DIAN autorisierten Provider nutzen, der den gesamten Rechnungsstellungsprozess automatisiert.

Um der Vorgaben der DIAN zu entsprechen und sich gegen Audits zu schützen, sollten Mechanismen entwickelt werden, die die Manipulation von Systemen verhindern und die Zuverlässigkeit von Daten verifizieren. Darüber hinaus sollten Transaktionsprotokolle geführt und archiviert werden. Dies kann durch einen entsprechenden Provider gewährleistet werden.

Darüber hinaus muss das e-Invoicing Systems selbstständig bzw. über einen staatlich akkreditierten Drittanbieter zertifiziert werden. Letztere Option ist allerdings für große Unternehmen nicht empfehlenswert, da die Menge an sensiblen Daten, die einem Dritten zugänglich gemacht werden, ein eigenes Sicherheitsrisiko darstellen.

 

 

Compliance

Ähnlich der Regelungen in allen anderen LATAM-Ländern wirkt die Einführung eines effektiven Compliance-Systems zu Abmilderung von Sanktionen beim Verstoß gegen das Antikorruptionsgesetz. Verpflichtend ist die Implementierung eines CS für folgende Unternehmen:

  • Unternehmen, die mit einem Vermittler, Vertragspartner oder durch Tochterunternehmen international agieren
  • Unternehmen, die bestimmte Besitz-, Einkommens- oder Mitarbeiterschwellen erreichen (siehe Tabelle)

 

 

Sektoren Bruttoeinkommen Gesamtvermögen Mitarbeiter
Pharma ≥75.000   SMMW*
(ca.18 Millionen USD)
≥75.000 SMMW ≥2.000
Infrastruktur und Bau ≥150.000   SMMW
(ca.36 Millionen USD)
≥150.000 SMMW ≥2.000
Produktion ≥150.000   SMMW
(ca.36 Millionen USD)
≥150.000 SMMW ≥2.000
Bergbau und Energie ≥150.000   SMMW
(ca.36 Millionen USD)
≥150.000 SMMW ≥2.000

*1 SMMW entspricht ca. USD 245, weitere Details unter https://globalcompliancenews.com/anti-corruption/handbook/anti-corruption-in-colombia/

 

Ein Compliance-System muss laut den Richtlinien der Behörden folgende Merkmale aufweisen:

  • Beschreibung spezifischer Korruptionsrisiken und Erstellung eines Präventions- bzw. Bekämpfungsplans
  • Klare Definition der Pflichten von Mitarbeiter, Partnern und Senior Management hinsichtlich der Implementierung des CS
  • Verschriftlichung interner Audit-Regelungen

Neben den konkreten Verpflichtungen unterliegt es folgenden Prinzipien:

  • Null-Toleranz-Politik von Senior-Managern gegenüber transnationaler Bestechung à interne Sanktionen bei Verstoß
  • Transnationale Bestechungsrisiko-Analyse vor Ort
  • Ernennung eines Compliance Officers, der ein strukturiertes und modifizierbares Compliance-System etabliert und dessen Einhaltung kontrolliert
  • Due diligence (sorgfältige Prüfung): Identifizierung und Abmilderung von Bestechungs-Risiken
  • Monitoring:  Audits, anonyme Kommunikationskanäle für Whistleblower
  • Transparenz: Training der Mitarbeiter zu neuen Regeln und Verfahren

Unternehmen, die gegen die neuen Regelungen verstoßen, müssen mit Strafen bis zu 200.000 SMMW rechnen (ca. 49 Mio USD)

 

Steuerrecht und Steuerarten

In Kolumbien werden nationale Unternehmen (in Kolumbien oder unter kolumbianischem recht gegründet) nach ihrem Welteinkommen besteuert. Ausländische, nicht-ansässige Unternehmen sowie deren lokale Ableger hingegen werden nur hinsichtlich ihres in Kolumbien erwirtschafteten Einkommens besteuert.

 

 

Steuerart Erhebung Höhe
Bundesebene
Körperschaftssteuer (Impuesto sobre la Renta) Profite durch Handel oder Dienstleistungen 33%, in Freihandelszonen 20%

 

Einkommensausgleichssteuer (Impuesto sobre la Renta para la Equidad, CREE) Nettoeinkommen, für Unternehmen ab 800 Millionen COP ( 4%, entfällt ab 2019
Quellensteuern ·         technische Dienstleistungen

·         Dienstleistungen

·         Lizenzgebühren für Software

·         Zinsen und Dividenden

10%

 

33%

26,4%

 

33%

Kapitalertragssteuer Profite durch Finanzgeschäfte 10%
Umsatzsteuer (Impuesto al Valor Agregado, IVA) Waren und Dienstleistungen 0%, 5%, 19%
Verbraucher- bzw. Konsumsteuer (Impuesto al Consumo) Transport, Telekommunikation, Nahrung und Getränke 4%, 8%, 16%
Finanztransaktionssteuer Finanztransaktionen 0,4% des Wertes
Vermögenssteuer (Impuesto a la Riqueza) Gesamtvermögen 0,3-3,3%
Lokale Steuern
Grundsteuer

(Impuesto Predial)

Immobilien variabel
Gewerbesteuer/ Industrie- und Handelssteuer

(Impuesto de Industria y Comercio

Profit aus industriellen, Handels- oder Dienstleistungstätigkeiten 0,2-1,4%
Registersteuer

(Impuesto de Registro)

Registrierung des Unternehmens 0,7% des Stammkapitals

 

Steuerreform

Im Januar 2017 trat eine weitreichende Steuerreform in Kolumbien in Kraft, die sich merklich auf die Körperschafts- und Umsatzsteuer ausgewirkt hat. Die folgenden Änderungen sind für in Kolumbien ansässige Unternehmen besonders relevant:

  • Umsatzsteuer von 16% auf 19% gestiegen
  • Verstärkte Regeln gegen Steuerhinterziehung
  • Abschaffung der CREE-Steuer ab 2019
  • Einführung eines Systems der Hinzurechnungsbesteuerung
  • Einführung einer „grünen“ Steuer für ölbasierte Energieprodukte und Treibstoffe
  • Einführung einer Quellensteuer für nicht-ansässige Steuerzahler sowie auf Dividenden

Ziel der Steuerreform ist die Umstrukturierung des kolumbianischen Steuersystems hin zu einer besseren Verteilung der Steuerpflichten zwischen ansässigen Unternehmen und Individuen ohne die Einführung oder Erhöhung von bestehenden Steuern. Dies erfolgt teilweise auf Kosten nicht-ansässiger Unternehmen, die einer Hinzurechnungsbesteuerung unterworfen werden. Ein weiterer Grund für die Reform ist die Anpassung Kolumbiens an die Gewinnkürzung- und Gewinnverlagerungsrichtlinien der OECD (Base Erosion and Profit Shifting, BEPS), die 2014 entwickelt wurden.

 

Eine Erläuterung aller wesentlichen Steuer- und Fachbegriffe finden Sie hier.

 

 

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