Überblick Argentinien

Argentinien

Argentinien ist Mitglied der Freihandelszone Mercosur, wodurch ein weitgehend zollfreier Warenaustausch mit Brasilien, Paraguay und Uruguay möglich ist. Assoziierte Mitglieder sind Bolivien, Chile. Ecuador, Peru und Kolumbien. Darüber hinaus verfügt Argentinien über ein harmonisiertes Zollsystem entsprechend der Brüsseler Nomenklatur. Die Zollsätze liegen zwischen 0% und 35% und werden vom CIF-Wert berechnet.

Für Investoren ist Argentinien deshalb besonders interessant, weil ihnen unter bestimmten Bedingungen die gleichen Rechte wie inländischen Investoren eingeräumt werden und seit 1993 ein Investitionsschutzabkommen mit Deutschland besteht. Dieses bietet einen weitreichenden Enteignungsschutz, verbesserte Freiheiten für Gewinn- und Kapitalrückführung sowie Mechanismen zur Konfliktlösung.

Argentiniens Mitgliedschaft in der Pariser Verbands-Übereinkunft gewährleistet darüber hinaus den Schutz geistigen Eigentums.

 

e-Invoicing

Im Jahr 2007 wurde in Argentinien die elektronische Rechnung eingeführt, welche seit 2015 für alle Unternehmen verpflichtend ist. Die in Argentinien für die elektronische Rechnungsstellung zuständige Finanzbehörde ist die AFIP (Administracion Federal de Ingresos Publicos). Das e-Invoicing System basiert auf einer XML-Datei, die bestimmte Steuerdaten sowie eine elektronische Signatur besitzt, um die Authentizität des Dokumentes zu verifizieren. Dafür benötigen die rechnungsstellenden Unternehmen entsprechenden elektronische Autorisierungscodes (CAE). Ohne die CAE darf Ware nicht versendet werden bzw. ist eine Rechnung rechtlich ungültig. Besonders relevant ist das e-Invoicing für die Typ E Exportrechnungen sowie für die nationalen Typ A und B-Rechnungen.

Unabhängig von dem Rechnungstyp, müssen Unternehmen in Argentinien ein gültiges digitales Zertifikat (CFD, Certificado Fiscal Digital) besitzen und bei der AFIP registrieren lassen. Diese Registrierung ist über einen Fiskalischen Schlüssel (Clave Fiscal) oder ein Passwort über die AFIP-Website möglich und dauert bis zu 30 Tage. Alle offiziellen Dokumente (Rechnungen) tragen laufende Nummern. Kommt es bei einer Rechnung zu einem Problem, muss dieses daher erst gelöst werden, damit die Folgerechnungen erstellt bzw. verifiziert werden können.

Prozess

XML Datei generieren
Der Verkäufer generiert eine XML-Datei mit den für die elektronische Rechnung relevanten Steuerinformationen. Die Datei benötigt eine digitale Signatur sowie elektronische Autorisierungscodes (CAE), um die Authentizität der Daten sowie die Identität des Verkäufers zu bestätigen.

Rechnungsautorisierung
Über verschiedene Kommunikationssysteme (Web Service, RECE, Online Invoices Service (Comprobantes en línea) kann die elektronische Rechnung erstellt werden und wird in Echtzeit durch die AFIP autorisiert.

 

Compliance

Während Argentinien 2015 noch Platz 107 von 180 auf Transparency Internationals Korruptions-Perzeptions-Index belegte, konnte das Land 2017 bis auf Platz 85 vorrücken und liegt damit im LATAM-Vergleich direkt hinter Chile. Diese Entwicklung ist auf die verstärkte staatliche Korruptionsbekämpfung in den LATAM-Ländern zurückzuführen, welche seit 2014 verstärkt entsprechende Gesetze etablieren. Für viele Unternehmen sind Compliance-Systeme (CS) deshalb inzwischen verpflichtend.

Argentinien hatte 2000 bereits die OECD-Konvention gegen Korruption verabschiedet sowie die Ziele des Antikorruptions-Summits in London 2016 gegen Korruption anerkannt. Aktuell wird unter der Regierung Macri darüber hinaus ein eigener, neues Gesetzentwurf mit den folgenden Kernpunkten erarbeitet, dessen Hintergrund u.a. der Wunsch Argentiniens nach OECD-Mitgliedschaft ist:

  • Unternehmenshaftung und Vermögensabschöpfung in Korruptionsfällen
  • Verstärkte Transparenz hinsichtlich öffentlicher Informationen
  • Vorteile für Unternehmen, die bei der Aufklärung von Korruptionsfällen mit den Behörden kooperieren
  • Die Existenz eines effektiven Compliance Systems wird als mildernder Faktor in der Sanktionierung beachtet

Neben dem neuen Gesetz finden in Argentinien – inspiriert durch Brasiliens Lava Jato Prozess – Ermittlungen bei über 100 großen Unternehmen statt wobei bereits erste Sanktionen gegen Unternehmen und Individuen verhängt wurden.

Hinsichtlich des Compliance-Systems sind in Argentinien neben den allgemeinen Richtlinien (Verlinkung zum Compliance LATAM-Artikel) folgende konkreten Aspekte zu beachten:

  • Anpassung internationaler Compliance-Systeme der Mutterfirmen an landesspezifische Anforderungen
  • Dritte Vertragspartner bilden die Hauptrisikogruppe für Korruption und müssen daher hinsichtlich due diligence und Training der Mitarbeiter besonders bedacht werden
  • Schulung hinsichtlich des Umgangs mit Whistleblowern und internen Ermittlungen (z.B. Interviewtechniken, Reporting, rechtliche Aspekte)
  • Überprüfung, ob Korruptionsfälle zu weiteren Verstößen führen (z.B. gegen Zollgesetze, Steuergesetze, Urkundenfälschung)

Nicht alle Maßnahmen aus dem umfassenden Compliance-Katalog müssen sofort und gleichzeitig implementiert werden, allerdings sollte ein entsprechendes System innerhalb der nächsten fünf Jahre vervollständigt sein.  Da immer mehr Unternehmen den gesetzlichen Richtlinien entsprechen, werden Compliance Systeme als Ausdruck von best practices auch zunehmend von Kooperationspartnern und Zulieferern erwartet, die nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind.

 

Kriterium Argentinien
Gesetzliche

Grundlage

Gesetzentwurf liegt vor
CS-Pflicht? ja
Standards CS muss folgende Kriterien erfüllen:

 

·       risikobasiert

·       angepasst an Größe und Tätigkeit des UN

·       Verhindern, Aufdecken, Korrigieren von Verstößen

 

+ siehe Text (Verlinkung LATAM-Artikel)

Sonderbehandlung bei CS-Implementierung? ja
Strafen Strafzahlungen bis zu 200%  des erreichten Vorteils

 

 

Steuerrecht und Steuerarten

Argentinien erhebt Steuern auf Bundes-, Provinz- und Kommunalebene. Um Mehrfachbesteuerung zu verhindern, besteht seit 1978 ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Deutschland, was deutsche Unternehmen vor den hohen argentinischen Quellensteuern schützt.

Das Argentinische Steuerrecht besteht aus insgesamt 19 Steuergesetzen, die u.a. von der Steuerbehörde Administración Federal de Ingresos Públicos (AFIP) überwacht werden. Die folgenden Steuergesetze sind für Unternehmen am Relevantesten:

  • Income Tax Law
  • VAT Law
  • Tax Procedures Law

Folgende Steuern sind für Unternehmen mit Niederlassung in Argentinien besonders relevant:

 

Steuerart Erhebung Höhe
Bundessteuern
Einkommens- bzw. Körperschaftsteuer 

(Impuesto a las Ganancias)

 

auf das gesamte Einkommen, inklusive Kapitalgewinne erhoben für Gesellschaften beträgt 30 % in 2018 und 2019 (und 25 % ab 2020)*, Vorauszahlung basierend auf letztem Geschäftsjahr
Steuer auf vermutetes Mindesteinkommen

(Impuesto a la Ganancia Mínima Presunta – IGMP)

 

auf alle in Argentinien oder im Ausland befindlichen Aktiva von argentinischen Gesellschaften, sofern diese die Höhe von 200.000 argentinischen Peso übersteigen 1%, wird mit der Körperschaftssteuer verrechnet
Vermögenssteuer 

(Impuesto sobre los Bienes Personales)

 

natürliche Personen (auch Erbengemeinschaften) oder jede im Ausland ansässige Gesellschaft, die Aktien oder Anteile an einer S.A. oder S.R.L. hält Vermögen über Freibetrag von 950.000 argentinischen Pesos à 0,25 % (seit 2018)
Steuer auf Übertragung von Immobilien 

(Impuestos a la Transferencia de Inmuebles de Personas Físicas y Sucesiones Indivisas)

 

Übertragung von Grundvermögen natürlicher Personen und ungeteilter Nachlässe 1,5%
Umsatzsteuer

(Impuesto al Valor Agregado IVA)

 

Waren und Dienstleistungen Allgemein: 21 % ermäßigt:10,5 % (für Lebensmittel, bestimmte Finanzgeschäfte und Dienstleistungen)

Erhöht: 27 % (Strom, Wasser und Gas, wenn nicht zur Versorgung von Wohnraum genutzt)

Schecksteuer 

(Impuestos a los Débitos y Créditos en Cuentas Corrientes)

 

auf Gut- und Lastschriften auf Girokonten 0,6 % des Transaktionswerts

Reduziert: z.B. 0,075 % für bestimmte landwirtschaftliche Erzeuger,

teilweise mit Einkommensteuer verrechenbar

Verbrauchsteuern

 

z.B. Tabak, Alkohol, Benzin, Wein oder Gold 0,01-70%
Steuern auf Provinzebene / Gemeindeebene
Bruttoumsatzsteuer 

(Impuesto sobre los Ingresos Brutos)

 

Gewerbesteuer auf Provinzebene, auf die Ausübung von entgeltlichen Tätigkeiten 1,5-4% je nach Tätigkeit und Provinz
Grundsteuer 

(Impuesto Inmobiliario)

Immobilien Variiert je nach Provinz/Gemeinde
Stempelsteuer 

(Impuesto de Sellos)

bei Abschluss von Verträgen und Urkundenausstellungen 1%

* In Argentinien ansässige natürliche und juristische Personen unterliegen der Steuer mit ihrem Welteinkommen, wobei bereits im Ausland auf die ausländischen Einkünfte gezahlte vergleichbare Steuern auf die inländische Steuerschuld angerechnet werden können. Eine Anrechnung ist allerdings nur bis zu dem Betrag möglich, durch welchen die argentinische Steuer durch Einbeziehung des im Ausland bereits versteuerten Einkommens erhöht wurde. Im Ausland ansässige natürliche und juristische Personen unterliegen der Steuerpflicht nur hinsichtlich ihres in Argentinien erwirtschafteten Einkommens.

Im Januar 2018 wurde darüber hinaus eine Steuerreform (Decree 1112/2017) erlassen, die Investitionen und Wettbewerb ankurbeln und Argentinien zu einem effektiveren und moderneren Steuersystem verhelfen soll. Konkret sind von der Reform folgende Bereiche betroffen:

  • Reduzierung der Körperschaftssteuer für 2018/19 auf 30%, ab 2020 auf 25%
  • Quellensteuer für Dividenden von 7% für 2018/19 bzw. 13% ab 2020

Eine Erläuterung aller wesentlichen Steuer- und Fachbegriffe finden Sie hier.

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