SAP S4/HANA

Chancen und Risiken von SAP S/4HANA in Lateinamerika

Bis 2025 müssen Unternehmen von SAP ECC zu S4/HANA migrieren, ein an sich aufwendiger Prozess, der besonders in Lateinamerika viele Stolpersteine bereithält. Allerdings bietet der Wechsel Unternehmen gleichzeitig die Chance, eine umfassende Strategie für die weltweite Besteuerung zu entwickeln, welche den regelmäßigen regulatorischen Änderungen standhält.

Um der Komplexität der bestehende Systeme Rechnung zu tragen, kann der Wechsel zu HANA in Phasen erfolgen, wobei die weniger customisierten Module wie Financial Accounting (FI) und Controlling (CO) zuerst überführt werden sollten. Module mit einem höheren Customization Aufwand wie Verkauf (SD) und Einkauf (MM) können später adressiert werden.

Beim Wechsel zu S4/HANA gibt es drei wesentliche Aspekte, die hinsichtlich der Steuerthematik in Lateinamerika besondere Aufmerksamkeit erfordern:

  1. Regulatorisch Up-to-date sein

Im Rahmen der Korruptionsbekämpfung gibt es in Lateinamerika aktuell weitreichende Steuerreformen sowie regelmäßige kleinere Anpassungen. Um compliant zu sein, müssen Unternehmen entsprechende Änderungen antizipieren, verfolgen und korrekt implementieren. Wer nicht auf dem neuesten Stand der steuerrechtlichen Regulatorik ist, riskiert Audits oder sogar empfindliche Geldstrafen.

  1. Compliance interner Prozesse

Im Sinne der Compliance müssen vielen Unternehmen ihre einfachsten internen Prozesse anpassen, die im Rest der Welt funktionieren. In vielen Ländern Lateinamerikas sind ist z.B. das e-Invoicing sowie automatisierte Berichte an die Steuerbehörden inzwischen verpflichtend. Dies muss durch entsprechende Localizations, die SAP S/4HANA teilweise nicht abbildet, implementiert werden. Daher ist die Nutzung zusätzlicher Softwarelösungen sinnvoll bis notwendig, um compliant zu sein.

  1. Verpflichtende Automatisierungen

Standardisierungen und automatische Steuerberichte sind ein weiteres Instrument der lateinamerikanischen Korruptions- und Steuerbetrugsbekämpfung. Fehlerhaften Eingaben oder unstimmigen Informationen können schnell zu Audits oder Strafzahlungen führen. Unternehmen sollten daher ihre Prozesse möglichst schnell automatisieren.

 

Add-ons und Drittanbieter-Software

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Unternehmen mit ihren bisherigen add-ons und Drittanbieter-Software umgehen sollen, da diese im Zweifel vollumfänglich auf die S4/HANA Plattform überführt werden müssen. Aktuell verfügen viele Unternehmen über lokalisierte add-ons, die in Lateinamerika hinsichtlich Steuerfragen, e-Invoicing, Compliance und Reporting-Erfordernissen überprüft werden sollten. Obwohl SAP dies in Aussicht gestellt hat, besteht mit S4/ HANA aktuell noch nicht die Möglichkeit, diese Lokalisierungen zugunsten globaler Lösungen zu beseitigen und die sich ändernden Konfigurationen digital von den örtlichen Finanz- und Steuerbehörden zu beziehen. Zwar können über das SAP Add-on TDF Informationen für die Reports SPED Fiscal, SPED Contabil, EFD-Contribucoes und REINF erhoben werden, diese sind jedoch nicht ausreichend, um mit den Regulierungen der Finanzbehörden compliant zu sein. Dementsprechend ist Unternehmen trotz der Migration zu S4/HANA dazu zu raten, weiterhin Drittanbieter-Software zu nutzen, um mit den lateinamerikanischen Steuerregulierungen compliant zu bleiben.

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