Mexiko: Mehrwertsteuer auf digitale Dienste von nichtansässigen Ausländern

In Mexiko wurden zum 1. Juni 2020 neue Mehrwertsteuervorschriften für digitale Dienste eingeführt, die über eine Online-Plattform bereitgestellt werden. Diese Regeln gelten für B2C und B2B-Dienstleistungserbringer, wobei Dienstleistungsempfänger von digitalen Dienste eine Gutschrift für die Mehrwertsteuer beantragen können.

 

Was sind „Digitale Dienste“?

Entsprechend der Steuerreform zählen folgende Angebote zu digitalen Diensten:

  • Downloads oder Zugriff auf Bilder, Filme, Text, Informationen, Video, Audio, Musik, Spiele (einschließlich Glücksspiele)
  • Multiplayer-Umgebungen, mobile Töne
  • Online-Nachrichten, Verkehrsinformationen sowie Wettervorhersagen und Statistiken
  • Online-Clubs, Dating-Websites, Fernunterricht oder -tests und Vermittlungsdienste

Nicht zu den digitalen Diensten gehören nach wie vor das Herunterladen oder Zugreifen auf Bücher, Zeitungen und elektronische Zeitschriften sowie der Verkauf gebrauchter Waren.

 

Was gilt für ausländische Dienstleister ohne Betriebsstätte in Mexiko?

Digitale Dienstleistungserbringer, die weder in Mexiko ansässig sind, noch dort eine Betriebsstätte haben, können unter folgenden Bedingungen besteuert werden:

  • Der Kunde hat seinen Wohnsitz in Mexiko
  • Der Zahlungsvermittler, über den der digitale Dienst gekauft wird, befindet sich in Mexiko
  • Die IP-Adresse des Geräts, mit dem die digitalen Dienste erworben wurden, befindet sich in Mexiko
  • Der Ländercode der SIM-Karte des Telefons, mit dem die digitalen Dienste erworben wurden, befindet sich in Mexiko

Anbieter digitaler Dienste, die weder in Mexiko ansässig sind, noch dort eine Betriebsstätte innehaben, benötigen seit dem 01. Juni 2020 eine mexikanische Steuer-ID („RFC“), einen mexikanischen gesetzlichen Vertreter sowie eine elektronische Signatur („e-firma“). Sie sind seitdem dazu verpflichtete, die Mehrwertsteuer auf digitale Dienste zu erheben und mit der monatlichen Mehrwertsteuererklärung an das Finanzamt zu überweisen. Zusätzlich kommen noch Berichtsverpflichtungen in Form eines vierteljährlichen Reports über die Anzahl der mit mexikanischen Empfängern durchgeführten Transaktionen, die Art der erbrachten Dienstleistungen und den berechneten Preis. Natürlich müssen dafür auch elektronische Rechnungen an die mexikanischen Kunden ausgestellt werden.

 

Wie werden Vermittler digitaler Dienste behandelt?

Die gleichen Anforderungen gelten auch für Dienstleister, die als Vermittler in Bezug auf digitale Dienste fungieren. Vermittler digitaler Dienste müssen sich bei der Steuerbehörde registrieren lassen. Diejenigen, die bereits vor dem 1. Juni 2020 registriert sind, müssen eine aktualisierte Mitteilung über die wirtschaftlichen Aktivitäten und Verpflichtungen für Plattformen einreichen. Der Quellensteuerbetrag beträgt 50% der effektiv erhobenen Mehrwertsteuer oder 100%, wenn die Personen ihre mexikanische Steuernummer (RFC) nicht angeben.

Ebenso dürfen Vermittler digitaler Dienste, die im Namen des Verkäufers den Verkaufspreis und die Mehrwertsteuer erheben, nach einkommensteuerrechtlichen Maßnahmen die Einkommensteuer nur einbehalten, wenn der Verkäufer ein einzelner Steuerpflichtiger ist. Der Quellensteuersatz hängt von der Art der erbrachten Dienstleistung und der Höhe des Bruttoeinkommens ab, das die Person während des betreffenden Monats erhalten hat:

  • Bodentransportdienste von Passagieren und Lieferung von Waren (2% – 8%)
  • Unterkunftsdienste (2% – 10%)
  • Verkauf von Waren und Dienstleistungen (0,4% – 5,4%)

Wenn die Person keinen RFC bereitstellt, muss der Vermittler der digitalen Dienste Steuern in Höhe von 20% des Bruttomonatseinkommens einbehalten. Vermittler digitaler Dienste müssen spätestens am 17. Tag des folgenden Monats eine Mehrwertsteuereinbehaltung durch die „Umsatzsteuererklärung für technologische Plattformen“ und für die Einkommensteuereinbehaltung für natürliche Personen durch die „Einkommensteuereinbehaltungserklärung für technologische Plattformen“ durchführen.

 

Was gilt es sonst noch zu beachten?

Nichtansässige Dienstleister können Rechnungen gemäß den Gesetzen ihres jeweiligen Landes ausstelle, wenn sie folgende Kriterien erfüllen bzw. Informationen beinhalten:

  • den Namen oder Firmennamen des Emittenten
  • die Stadt und das Land, in dem die Rechnung ausgestellt wurde
  • die Steuerregistrierungsnummer des Emittenten
  • den Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer
  • den für die Dienstleistung geltenden Mehrwertsteuerbetrag
  • eine Beschreibung des Dienstes
  • das Rechnungsausstellungsdatum und den von der Gegenleistung abgedeckten Zeitraum
  • die RFC-Nummer des Empfängers

Nichtansässige, die sich nicht registrieren lassen und über einen RFC verfügen und nur für die Einfuhr digitaler Dienste für die Mehrwertsteuer haften, können ihre Mehrwertsteuerverbindlichkeiten durch die Erklärung „Mehrwertsteuer auf zufällige Handlungen“ bezahlen (auch in Fremdwährung möglich).

 

Welche To Dos erwachsen daraus für Dienstleister?

Ausländische Einwohner ohne ständige Niederlassung in Mexiko, die digitale Dienste im Land anbieten, müssen Folgendes berücksichtigen:

  1. Überprüfung aller Einnahmequelle, um zu eruieren, welche der Mehrwertsteuer unterliegen.
  2. Vorbereitungen sind in Form von Änderungen an ERP-System, Buchhaltung, Kontrolle und Marketing zu treffen, um die Regeln für obligatorische Informationen einzuhalten.
  3. Die Registrierung und Ernennung eines gesetzlichen Vertreters muss vor dem 30. Juni 2020 erfolgen.

 

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