Die Limitada

Gründung eines Tochterunternehmens in Brasilien – die Limitada (Ltda.)

Was?

Das brasilianische Äquivalent zur deutschen GmbH ist die Limitada (Ltda.). Sie ist zugleich eine juristische Person beschränkter Haftung als auch eine Personengesellschaft. Gegenüber ihren Alternativen, der unselbstständigen Niederlassung einer ausländischen Gesellschaft bzw. der Einmann-GmbH „EIRELI“, kennzeichnet sich die Limitada durch höhere Flexibilität, geringeren Bürokratieaufwand und geringe Kapitaleinlagen.

 

Wer?

Die Limitada kann durch mindestens zwei Gesellschafter gegründet werden, die entweder in- oder ausländische, juristische oder natürliche Personen sein können und sowohl im In- als auch Ausland ansässig sein können. Insofern bedarf es unter den Gesellschaftern keinen Brasilianer. Ausländische Gesellschafter müssen sich jedoch steuerrechtlich in Brasilien registrieren: juristische Personen mit einer CNPJ, natürliche Personen mit der CPF-Nummer.

Zusätzlich muss es einen in Brasilien ansässigen Zustellungsbevollmächtigten geben, der Klagen entgegennehmen kann sowie einen Vertreter, der gegenüber der Steuer- und Finanzbehörden vertretungsbevollmächtigt ist. Die Vertretungsbefugnis muss notariell beglaubigt und durch das brasilianische Konsulat legalisiert werden.

Darüber hinaus muss die Geschäftsführung durch eine natürliche Person mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis bzw. Wohnsitz in Brasilien erfolgen. Dies ermöglicht es auch Ausländern, die diese Kriterien erfüllen, in Brasilien als Geschäftsführer zu fungieren. Der Name des GF muss bereits bei der Anmeldung der Limitada im Handelsregister registriert werden.

 

Organe der Limitada

Obligatorisch sind bei der Limitada nur zwei Organe: die Gesellschafterversammlung und der Geschäftsführer. Erstere hat gegenüber Letzterem Weisungs- und Zustimmungsbefugnis. Sie muss mindestens einmal im Jahr innerhalb der ersten vier Monate tagen, um den Jahresabschluss zu genehmigen und den GF zu entlasten.

Als Geschäftsführer können eine oder mehrere natürliche Personen fungieren, welche innerhalb von 10 Tagen nach Bestellung in das Register eingetragen werden müssen. Hinsichtlich seiner Rechte und Pflichten sowie der Haftung entspricht das brasilianische Recht weitgehend dem Deutschen.

Wichtig: In Brasilien können GF für nicht bezahlte Sozialabgaben (FGTS und INSS) sowie arbeitsrechtliche Probleme persönlich haften. Daher bestehen viele GF auf eine D&O-Versicherung bzw. die Freistellung der Gesellschafter von der Haftungsübernahme.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Einrichtung eines Kontroll-, Verwaltungs- und Beirates.

 

Wie?

Der Hauptverwaltungssitz der Limitada muss sich in Brasilien befinden, weitere Zweigstellen im Ausland sind ebenfalls möglich. Wer in Brasilien noch keine feste Unternehmensadresse hat, kann seinen Firmensitz für die Übergangsphase über externe Dienstleister als „virtual office“ anmelden lassen.

Prinzipiell kann die Limitada jeden legalen und nicht-sittenwidrigen Gesellschaftszweck verfolgen. Dieser muss im Gesellschaftsvertrag detailliert dargelegt werden, um die Vertretungsbefugnis des Geschäftsführers hinreichend zu erläutern und gleichzeitig zu begrenzen.

Im Gegensatz zur Einmann-GmbH „EIRELI“ gibt es bei der Limitada kein Mindestkapital, ausgenommen von dieser Regel sind jedoch Import-Export Firmen.

Im Gegensatz zu Deutschland müssen in Brasilien der Gegenstand bzw. Zweck des Unternehmens aus dem Firmennamen ersichtlich werden. Eine Eintragung in das Handelsregister zum Schutz des Namens erfolgt nur im jeweiligen Bundesstaat automatisch – Eintragungen in weiteren Bundesstaaten müssen individuell veranlasst werden. Zusätzlich können Unternehmen Fantasienamen (z.B. für Marken oder Produkte) führen, die wiederum neben dem Handelsregister auch beim Marken- & Patentamt vermerkt werden.

Wichtig: Wer die Abkürzung Ltda. nicht im Namen führt, riskiert den Verlust der Haftungsbeschränkung – Gesellschafter haften in diesem Fall persönlich unbegrenzt!

Der Gesellschaftsvertrag muss schriftlich verfasst, nicht jedoch notariell beurkundet sein. Er muss folgende Elemente enthalten:

  • Name, Nationalität,       Personenstand, Beruf    und        Wohnort             der Gesellschafter,  die natürliche Personen sind
  • Bezeichnung, Nationalität        und        Sitz         der         Gesellschafter, die         juristische Personen sind
  • Bezeichnung der         Gesellschaft,     des        Gesellschaftszwecks,     des        Sitzes der Gesellschaft und ggf. Befristung ihres Bestehens
  • Höhe des         Gesellschaftskapitals,   das         auch      aus         einlagefähigen Gütern bestehen kann, in der Landeswährung
  • Anteil am          Gesellschaftskapital       eines     jeden    Gesellschafters und        die Art, wie er aufzubringen ist
  • Leistungen,        zu           deren   Erbringung          sich        ein         Gesellschafter verpflichtet hat
  • Personen, denen  die         Verwaltung        der         Gesellschaft      obliegt, einschließlich ihrer Befugnisse
  • Beteiligung der         Gesellschafter  an           Gewinn und        Verlust

Darüber hinaus empfiehlt die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer folgende zusätzlichen Aspekte:

  • Art und        Fälligkeit              der         Stammeinlagen
  • Geschäftsjahr und        Bilanzerstellung
  • Gewinnverwendung
  • Anteilsübertragung
  • Gesellschafterausschluss
  • Gerichtsstand

 

Gründungsprozess

Prinzipiell muss die Registrierung beim Bund, der Gemeinde und oft auch im Bundesstaat erfolgen. Dieser Prozess dauert beim Bund circa. zwei Wochen, bei der Gemeinde ist sie von dem zuständigen Finanzamt abhängig und beim Bundesstaat ist mit einer Dauer von zwei bis vier Wochen zu rechnen. Insgesamt sollte mit einer Mindestgründungszeit von vier bis sechs Wochen gerechnet werden.

  1. Der Gesellschaftsvertrag sowie die Vollmachtsurkunden für den Zustellungsbevollmächtigten müssen auf Portugiesisch verfasst und von den Gesellschaftern, zwei Zeugen und einem brasilianischen Rechtsanwalt unterzeichnet werden.
  2. Ist eine ausländische juristische Person Gesellschafter, so muss deren Handelsregistereintrag sowie die Legitimation eines Vertreters und Zustellungsbeauftragten mit Wohnsitz in Brasilien nachgewiesen werden. Beglaubigungen bzw. Übersetzungen erfolgen durch das brasilianische Konsulat in Deutschland bzw. durch vereidigte Übersetzer.
  3. Ab Abschluss des Gesellschaftsvertrags hat das Unternehmen 30 Tage Zeit, um sich im Handelsregister (Registro Público de Empresas Mercantis) bei der zuständigen Handelsbehörde (Junta Comercial) zu melden und die notwendigen Dokumente einzureichen.

Wichtig: In São Paulo beginnt das Eintragungsverfahren bei der Finanzbehörde (Receita Federal), bei der die Steuernummer CNPJ beantragt wird. Der Antrag wird dann zur Landessteuerbehörde weitergeleitet. Verhängt diese keine Auflagen, kann die Eintragung ins das Handelsregister beantragt werden, die wiederum in der Ausstellung der Eintragungsnummer NIRE resultiert. Erst mit dieser Eintragung hat das Unternehmen eine eigene Rechtspersönlichkeit.

  1. Weitere Eintragungen können erforderlich sein, z.B. bei der Zentralbank im Fall von Auslandsinvestitionen, bei der Gemeinde (Cadastro do Contribuinte Municipal) für eine Gewerbeerlaubnis oder bei Dienstleistungsunternehmen zur Erhebung der Gemeindesteuer ISS. Zusätzlich müssen Mitarbeiter bei der gesetzlichen Sozialversicherung INSS angemeldet werden. Auch geistiges Eigentum kann beim brasilianischen Marken- & Patentamt INPI geschützt werden.

 

Alternativen?

Zur Limitada gibt es zwei benachbarte Alternativen: die unselbstständige Niederlassung einer ausländischen Gesellschaft und die Einmann-GmbH „EIRELI“.

Die unselbstständige Niederlassung einer ausländischen Gesellschaft in Brasilien wird deshalb selten genutzt, weil sie länger dauert, bürokratisch aufwendiger und wirtschaftlich riskanter ist als die Limitada. Dies liegt daran, dass vorher die Erlaubnis der brasilianischen Bundesexekutive eingeholt werden muss, die darüber hinaus jede Änderung des Satzungs- oder Gesellschaftsvertrages genehmigen muss. Bei der Limitada reicht für die Änderung ein Beschluss der Mehrheit der Anteile der Gesellschafter. Darüber hinaus muss die Niederlassung Handlungen der Geschäftsführung veröffentlichen und die Gesellschaft haftet mit ihrem Gesamtvermögen für die Niederlassung.

Abgesehen davon gibt es die Einmann-GmbH „EIRELI“, die als individuelle Gesellschaft mit beschränkter Haftung nur von natürlichen Personen gegründet werden kann. Der individuelle Gesellschafter bringt dabei das Gesamtkapital (mindestens das Hundertfache des höchsten Mindestlohnen, aktuell circa 21.000 Euro) ein. Unternehmen entscheiden sich aufgrund der Beschränkung auf natürliche Personen daher eher für die Limitada.

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