Brasiliens Steuerreform 2020

Laut dem Doing Business 2019-Bericht der Weltbank benötigt ein brasilianisches Unternehmen 1.958 Stunden, um Steuern zu zahlen, während der Durchschnitt von 190 untersuchten Ländern 206 Stunden beträgt. Grund für das Steuer-Chaos ist die brasilianische Fülle von Steuern und zahlreichen unterschiedlichen Gesetzen auf den drei Regierungsebenen ( der Union, den 27 Bundesstaaten und mehr als 5.500 Gemeinden). Die Regierungs ist sich der Notwendigkeit einer erleichternden Steuerreform bewusst und erhält dafür prinzipiell Unterstützung sowohl von Steuerzahlern als auch Beratern.

Alle bisherigen Versuche Brasiliens, die Steuerreform durchzusetzen, blieben bisher erfolglos. Interessenkonflikte und ein 25-Parteien-Kongress machen das Finden einer konsensualen Lösung zu einer schwierigen Aufgabe. Kürzlich hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro nach einem entscheidenden Rentenstreit nun jedoch ein Steuerreformpaket auf den Weg gebracht, welches voraussichtlich noch im Dezember 2019 dem Kongress vorgelegt wird. Drei weitere Vorschläge sollen im Laufe des Jahres 2020 vorgelegt werden.

 

Welche Reformphasen gibt es?

Die Reformvorschläge sollen innerhalb von vier Phasen umgesetzt werden:

1. Phase

Zunächst werden PIS und COFINS (indirekte Steuern auf Bruttoeinnahmen) durch einen Beitrag auf Waren und Dienstleistungen (CBS) ersetzt, der als Bundesumsatzsteuer fungiert. Dieser Vorschlag wird voraussichtlich noch 2019 eingereicht.

 

2. Phase

Danach wird die CIDE-Steuer gestrichen und die IPI-Steuer ersetzt. Das CIDE würde in das CBS integriert, es wird für Überweisungen von Lizenzgebühren, technischen, administrativen und ähnlichen Dienstleistungen und technischer Hilfe ins Ausland erhoben. IPI ist eine Verbrauchsteuer, die durch eine selektive Steuer ersetzt wird, die nur für bestimmte Produkte gilt. Der Vorschlag wird voraussichtlich Anfang 2020 vorgelegt.

 

3. Phase

Im Anschluss wird die Regierung von Bolsonaro die Unternehmens- und Individualsteuersysteme reformieren. Mit diesem Vorschlag soll der kombinierte Einkommensteuersatz für Unternehmenssteuerzahler über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren von 34% auf 20% gesenkt werden. Das zu versteuernde Einkommen würde nicht mehr auf der Grundlage des Nettogewinns gemäß den lokalen Rechnungslegungsstandards berechnet. Gleichzeitig würde die Regierung eine separate „Steuerbuchhaltung“ für Steuerzahler einrichten. Durch diesen Vorschlag werden wahrscheinlich einige steuerliche Anreize und Abzüge beseitigt. Darüber hinaus wären Dividendenzahlungen an natürliche Personen und gebietsfremde Aktionäre steuerpflichtig, die derzeit von der Quellensteuer befreit sind. Der Vorschlag wird voraussichtlich in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 vorgelegt.

 

4. Phase

Zum Schluss wird die Regierung die Lohnsteuer senken. Ziel dieses Vorschlags ist es, die Beschäftigungskosten und damit die Arbeitslosigkeit zu senken. Der Vorschlag wird voraussichtlich Mitte 2020 eingereicht. Da der Reformprozess sich noch in einem frühen Stadium befindet, werden die Leitzinsen für diese Vorschläge noch diskutiert.

 

Die Ungewissheit hinsichtlich eventueller Änderungen des Steuersystems erzeugen Unsicherheiten bei Steuerzahlern und Unternehmen. Je nachdem, in welcher Form die Reform durchgesetzt wird, sind entsprechende Systemanpassungen insbesondere bei internationalen Unternehmen erforderlich. Angesichts der brasilianischen Rechtspraxis ist jedoch davon auszugehen, dass die Umsetzung jeglicher Änderungen langsam vonstattengehen und konfliktgeladen sein wird.

 

Die entsprechenden regulatorischen Veränderungen könnten auch für Ihr Unternehmen hinsichtlich Customizing oder Wartung ihres ERP / SAP Systems relevant sein. Kontaktieren Sie uns gerne, um herauszufinden, inwiefern die neuen Regelungen Ihrerseits eine Reaktion erfordern – wir beraten Sie kompetent und zeitnah!