Brasilien und Mexiko: Freie Fahrt für Autohandel!?

Seit Dienstag, dem 19. März 2019, besteht zwischen Brasilien und Mexiko erstmals ein freier Handel mit Fahrzeugen und Autoteilen. Dementsprechend können Autohersteller, die Niederlassungen in beiden Ländern haben, Fahrzeuge und Autoteile ohne dies bisher gültigen Quoten und Importabgaben im- bzw. exportieren.

 

Die alte Quotenregelung

Die beiden Länder hatten 2002 ein Handelsabkommen im Automobilsektor geschlossen, welches auf steuerfreien Quoten basierte. Die letzte Erneuerung erfolgte im Jahr 2015, dem ursprünglich für den Beginn des Freihandels vorgesehenen Termin. Die Quoten wurden jedoch für weitere fünf Jahre beibehalten, wobei die Werte jedes Jahr um 3% zunahmen. In den letzten 12 Monaten zwischen März 2018 und März 2019 betrug die Quote für jedes Land 1,7 Milliarden US-Dollar.

 

 

Brasiliens Angst vor der mexikanischen Wirtschaftsmacht

Diese Quotenregelung wird jedoch von der brasilianischen Autobranche bevorzugt. So argumentierte der nationale Verband der Automobilhersteller Anfavea, dass das Quotensystems um weitere drei Jahre verlängert werden müsse, da die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Industrie sei viel geringer als die des mexikanischen Partners. Darüber hinaus gäbe es in Mexiko eine geringere interne Steuerbelastung und eine effizientere Infrastruktur durch die wirtschaftlichen Verbindungen in die USA. Der Automobilverband befürchtet, dass die Muttergesellschaften folglich lieber in Mexiko investieren als in Brasilien.

 

„Mal sehen, ob sich dies auf die neuen Investitionen auswirkt. Die Unternehmen werden die neue Situation einschätzen, damit sie ihre Entscheidungen treffen können „, erklärte Anfavea-Präsident Antonio Megale am Montag.

 

Seiner Ansicht nach gab es auch ein Problem bei der Definition des lokalen Inhalts (dem Ursprung der in Fahrzeugen verwendeten Teile). Die bisherige Regelung, die heute ausläuft, legte je nach Art des Stücks einen Mindestanteil von 35% regionalen Inhalts fest. Dieser Prozentsatz steigt jetzt auf 40%.

 

„Dieses Thema sollte letztes Jahr diskutiert worden sein, aber da es in beiden Ländern einen Regierungswechsel gab, gab es keinen solchen Deal“, sagte Megale.

 

Die brasilianische Industrie befürchtet, dass viele der in mexikanischen Autos verwendeten Teile zukünftig aus anderen Ländern stammen werden. Anders als vor Jahren, als Brasilien einen Überschuss verzeichnete, importiert Brasilien heute mehr aus als es nach Mexiko exportiert.

 

Folgen des Freihandels zwischen Brasilien und Mexiko

Laut Quellen des Wirtschaftsministeriums wird der Effekt des Freihandels kurzfristig fast null sein, da die aus Brasilien importierten Mengen in Mexiko 14% unter der aktuellen Quote liegen. Die Änderung der Vereinbarung sollte sich erst dann auf den Markt auswirken, wenn sich die Wirtschaftstätigkeit beschleunigt.

Bei den aus Mexiko importierten Autos handelt es sich um Produkte mit höherer Wertschöpfung, darunter Volkswagen Jetta und Tiguan, Chevorlet Tracker und Equinox, Ford Fusion, Audi Q5 und Nissan Sentra. Von Brasilien gibt es Modelle von kleinerer Größe und Wert, wie Gol, up!, Ka, Onix, Civic und EcosSport.

Der Übergang zum Freihandel wird vorerst nur für Pkw und Leichtwagen gelten, ab dem nächsten Jahr werden Lastwagen und Busse hinzukommen.

 

Freihandel mit Argentinien

Eine andere Quelle des Wirtschaftsministeriums sagte, dass das Abkommen zwischen den beiden Ländern dazu dienen wird, Argentinien dazu zu drängen, auch den freien Handel mit Brasilien für den Automobilsektor zu akzeptieren. Wie bei mexikanischen Fahrzeugen haben auch die argentinischen Modelle, die im Land ankommen, eine höhere Wertschöpfung.

Die derzeitige Vereinbarung mit den Argentiniern läuft bis Juni 2020 und sieht vor, dass für jeden aus Argentinien importierten US-Dollar in Fahrzeugen und Autoteilen 1,5 US-Dollar ohne Einfuhrsteuer exportiert werden können.

Interessanterweise haben die Verhandlungen der letzten Monate haben nur zwischen den Regierungen der beiden Länder stattgefunden, ohne dass Vertreter der Automobilhersteller der beiden Länder beteiligt waren.

 

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