Brasilien: Steuer-Stolpersteine im e-Commerce

Das brasilianische Steuersystem ist eines der kompliziertesten der Welt. Dem Bericht „Doing Business 2018“ der Weltbank zufolge verbringt ein Unternehmen im Durchschnitt 1.958 Stunden pro Jahr, um Steuern zu organisieren und zu zahlen. Damit liegt das Land auf Platz 184 von insgesamt 190 Nationen.

Bei der Besteuerung im E-Commerce ist das nicht anders: Steuerberechnungen und Steuerschuld nehmen denjenigen, die in der Region arbeiten, den Schlaf. Dabei gibt es zwei wesentliche Steuer-Herausforderungen im e-Commerce, die näher betrachtet werden sollen: die Steuer auf zwischenstaatliche Operationen sowie stornierte Käufe.

 

Steuer auf zwischenstaatliche Operationen

Im Jahr 2015 änderte eine Verfassungsänderung die Form der ICMS-Erhebung bei Geschäften mit nicht-steuerpflichtigen Endverbrauchern, eine im E-Commerce übliche Situation, die bis mindestens 2019 fortschreitend sein wird.

Im zwischenstaatlichen Handel wird die Rate dem Ursprungsstaat zugeordnet. Die Differenz zwischen der internen Steuer des Bestimmungsstaates und der zwischenstaatlichen Steuer heißt Difal (Aliquot Differential) genannt. Wenn ein Produkt zum Beispiel von Sao Paulo nach Rio de Janeiro verkauft wird, bezahlt Sao Paulo 12% ICMS. Rio müsste hingegen 20% ICMS zahlen (ICMS plus 2% Fundo de Combate a Pobreza), wovon wiederum die von Sao Paulo gezahlten 12% abgezogen werden, sodass 8% ICMS-Schuld bei Rio verbleiben.

Laut der Verfassungsänderung ist der Empfänger der Lieferung ein Steuerpflichtiger der ICMS, der zur Erhebung des Difal verpflichtet ist. Wenn der Verkauf an einen Nicht-Steuerzahler geht, z. B. eine natürliche Person, sollte der E-Commerce-Händler die Steuererhebung vornehmen. Dies bedeutet weitere Kosten, die bei der Zusammensetzung des Preises und der durchgeführten Arbeiten zu berücksichtigen sind.

Die erste Schwierigkeit bei diesen E-Commerce-Vorgängen besteht darin, dass das Team die internen Zinssätze in allen Zielstaaten, mit denen es tätig ist, sowie die Art und Weise, in der das Difal bei zwischenstaatlichen Transaktionen mit Nichtsteuerzahlern erhoben wird, kennen muss. Dem zuständigen Mitarbeiter muss bewusst sein, welcher Leitfaden, welche Zahlungsweise und welcher Zinssatz zu verwenden ist sowie ob gegebenenfalls ein zusätzlicher Armutsfonds besteht.

 

Stornierte Käufe

Ein Produkt, das nicht rechtzeitig geliefert wird, wie es im elektronischen Handel üblich ist, kann zur Stornierung des Auftrages führen. In diesem Fall setzt der Kunde den Kauf aus und fordert eine Erstattung der Zahlung beim Kreditkartenunternehmen.

Die Stornierung kann zu Problemen führen, wenn die Regularisierungsverfahren im Tagesgeschäft vergessen werden. Die verursachten Schäden eines Verkaufs der eigentlich storniert wurde aber weiter als Verkauf bearbeitet wird, hat steuerliche Konsequenzen. Da die Besteuerung auf den Cashflow erfolgt, werden teilweise selbst für stornierte Käufe Steuern gezahlt, die nur durch ein aufwendiges Verfahren zurückerstattet werden können. Ist die Ware während der Stornierung nicht verloren gegangen, sondern schlichtweg noch unterwegs, ist das Szenario noch komplizierter.

Die Hauptschwierigkeit liegt hier neben den Unannehmlichkeiten des Stornierungsvorganges vor allem darin, dass das Unternehmen die Kontrolle darüber haben muss, ob das ICMS Difal bereits erhoben wurde, um sich diesen Betrag im Zweifel von der Bestimmungsbehörde des Vorgangs zurückerstatten zu lassen.

 

Lösungsansätze

Technologische Lösungen können dabei helfen,  die Besteuerungsprobleme im elektronischen Handel zu lindern. Hier ist die Nutzung einer Software zur Automatisierung der Steuerberechnung zu empfehlen, da dadurch Fehler durch manuelle Eingaben vermieden werden können und die Compliance mit den ortsüblichen Regeln der Finanzbehörden gesichert werden kann.

 

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