Brasilien: Nächster Stop – Steuerreform

Das Wirtschaftsteam der Regierung hat begonnen, sich auf die nächste Herausforderung im Nationalkongress vorzubereiten: Die Änderung des hochkomplexen Steuersystems, welches und von Experten als das Haupthindernis für Investitionen und Wirtschaftswachstum betrachtet wird.

 

 

Geplante Änderungen

Gemäß dem von der Regierung ausgearbeiteten Vorschlag würde die erste Änderung darin bestehen, die Besteuerung der Lohnkosten zu beenden, also 20%, die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch die Sozialversicherungsabgabe gezahlt werden. Stattdessen soll eine Steuer auf elektronische Zahlungen von 0.6% geschaffen werden der alle Zahlungsströme abdeckt. Ziel der Maßnahme ist es, die Arbeitslosenquote von 12,4% (13,1 Millionen Menschen) durch die reduzierten Lohnkosten nachhaltig zu senken.

In dem Vorschlag würde die Besteuerung bei der Ein- und Auszahlung des Geldes vom Konto erfolgen, was sich auf alle Lastschriften und Gutschriften auswirkt.

Sie würde sich auch auf den Austausch von Produkten auswirken sowie auf Schuldenzahlungen und Devisengeschäfte. Konkret würde z.B. ein Autoverkauf erst dann rechtskräftig, wenn die Steuer bezahlt wurde. Damit würde nahezu jeder Zahlungsstrom abgedeckt.

 

„Die Steuerreform in Brasilien muss in diese Richtung folgen, beginnend mit dem Ersatz von Steuern, die die Lohnsumme belasten. Das Land ist stark von der Arbeitslosigkeit betroffen, und der Austausch des Sozialversicherungsbeitrags von 20% gegen einen elektronischen Beitrag von 0,6% für Zahlungen ist ein Weg, um die Anpassung der nationalen Steuerstruktur an die digitale Wirtschaft anzustoßen und Arbeitskosten zu senken“, schrieb der Spezialsekretär des brasilianischen Bundesamtes für Steuern, Marcos Cintra, auf seinem Blog.

 

Der technische Bereich des Wirtschaftsteams hat bereits zugegeben, dass dies eine „Kaskadierung“ sein würde, das heißt, dass alle Produktionsketten betroffen wären. Diese Art von Steuer wird vom produktiven Sektor abgelehnt.

Die auf Simulationen beruhende Bewertung sieht jedoch vor, dass die Steuerbelastung für 170 Wirtschaftssektoren sinken würde, da die Rate niedrig ist.

Nach Angaben der staatlichen Steuerbehörde belief sich die Summe der Einkommensteuerzahlungen im Jahr 2017 auf 555 Mrd. R $, was 38% aller in diesem Jahr von der Brasilien ein genommenen Steuern und Abgaben entspricht (insgesamt R $ 44 Billionen). Diese Zahl entsprach 8,47% des BIP.

 

 

Übergangsphase der Steuersubstitution

Die Absicht des Wirtschaftsteams besteht darin, eine Substitution vorzunehmen: ein niedrigerer Steuersatz für elektronische Zahlungen (0,2% oder 0,3%) ersetzt nach und nach den Sozialversicherungsbeitrag, der in der Übergangsphase auf 15% und dann auf 8% gesenkt wird, bis man ihn ganz abschaffen kann. Wenn der Sozialversicherungsbeitrag bei 0% angekommen ist, hat der Steuersatz auf elektronische Zahlungen seinen Höchstwert von 0,6% erreicht.

 

 

Steuergerechtigkeit stärken – informelle Sektoren besteuern

Über ein soziales Netzwerk sagte der Spezialsekretär des brasilianischen Bundesamtes für Steuern, Marcos Cintra, dass die Methode „die informelle Wirtschaft zur Zahlung von Steuern veranlassen“ soll, was seiner Ansicht nach die Steuerbasis um mehr als 30% erhöhen könnte.

 

„Wer heute zu viel Steuern zahlt, wird weniger zahlen können. Diejenigen, die Steuern zahlen, haben zu viel bezahlt; und eine Schicht Privilegierter bezahlt wenig oder nichts. Wenn jeder bezahlt, wird jeder weniger zahlen“, sagte Cintra.

 

 

Anpassung an internationale Standards

Die Besteuerung der Zahlungen folgt dabei einem weltweiten Trend, da sie Finanzströme als Steuerbasis betrifft, was die Steuerhinterziehung durch die Steuerzahler viel schwieriger macht.

Der Analyse der OECD zufolge würde diese Methode vor allem Steuerverluste beim Onlinehandel vermeiden. Darüber hinaus böte sie eine Möglichkeit, die Einnahmen der in anderen Ländern ansässigen großen multinationalen Konzerne zu besteuern.

 

Die entsprechenden regulatorischen Veränderungen könnten auch für Ihr Unternehmen hinsichtlich Customizing oder Wartung ihres ERP / SAP Systems relevant sein. Kontaktieren Sie uns gerne, um herauszufinden, inwiefern die neuen Regelungen Ihrerseits eine Reaktion erfordern – wir beraten Sie kompetent und zeitnah!